Prolog

Lieder wurden nicht über sie gesungen. Kein Gedicht oder Zeugnis erzählt von ihren Taten, da niemand mehr lebt, der sich ihrer erinnert. Das Blut der Tapferen sank tief in die Erde des vergessenen Königsreiches von Arthedain, in dem noch heute die Seelen aus den Zeiten der Altvorderen ruhelos ihren Frieden suchen. Selbst die Gnade eines würdevollen Grabes wurde ihnen nicht zuteil und Alfirin, die kleine weiße Blume, die zu allen Jahreszeiten blüht, ward dort niemals gesehen.

Arnor, das nördliche Königreich, einst von den Numenorern aus dem Westen gegründet, lag schon lange in Trümmern und der Stolz seiner einstigen Fürstentümer vermoderte in dunklen, kalten Grüften. Es waren schwer Zeiten für die Völker Eriadors und ihre letzte Hoffnung schwand unter dem drohenden Schatten im Norden. Die Macht des Hexenmeisters von Angmar, wie man ihn einst nannte, war wieder erstarkt und seine dunkle Festung Carn Dum, in den nördlichsten Ausläufern des Nebelgebirges errichtet, stand im Zenit ihrer unheilvollen Blütezeit. Die Menschen Eriadors waren schwach und ihre Städte waren verlassen und verfallen. Hoffnung gab es kaum in diesen Landen, und der Glaube an das Gute glich nur noch einem blassen Schimmer am stets dunkler werdenden Horizont. Nur wenige hatten den Mut, dem Bösen ihrer Zeit entgegenzutreten, und die meisten von ihnen fanden dabei nur den Tod oder gar noch Schlimmeres.

Es war das Jahr 1974 des dritten Zeitalters, als sich Eriadors Verhängnis endgültig vollzog. Die Kämpfe um den Amon Sul waren gerade erst zum Stillstand gekommen, als sich abermals eine Schar von Angmar auf den Weg machte, die freien Völker erneut zu unterwerfen. Die Wetterspitze, wie der Amon Sul von den Menschen des Westens genannt wurde, war der höchstgelegene Punkt einer alten Befestigung, die einst von Elendil und seinen Nachfolgern in den Wetterbergen erbaut worden war. Durch seine von jeher wichtige strategische Position war er stets auch das Ziel von Eroberungszügen aus Angmar. Der Blick des Hexenmeisters war voll unerbittlichem Hass auf diesen Punkt gerichtet und seine Trolle und Orks, Bilwisse und bösen Menschen marschierten mit brutaler Entschlossenheit in Richtung Amon Sul. Nichts konnte sich ihnen in den Weg stellen, und mit dieser Gewissheit würde ihnen das Schlachten noch weitaus mehr Freude bereiten.

Als die Völker, allen voran die Menschen, die Kunde aus dem Norden von Tod und Schatten vernahmen, befiehl Angst ihre Herzen und sie verschlossen ihre Türen und Fenster, in der trügerischen Hoffnung, diesen Sturm zu überstehen. Niemand traute sich hinaus und niemand stand mit Schwert und Schild vor seinem Hofe.

Nur ein Bündnis wagte es ...

Hier sollte eine Schwert zu sehen sein